Nutri-Score: Packungsinfos besser verstehen

Das in Frankreich entwickelte Bewertungssystem schnitt bei deutschen Verbrauchern als das am besten verständliche Modell ab und wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft seit 2020 auch den hiesigen Lebensmittelproduzenten zur Verwendung empfohlen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft haben sich bis Dezember 2020 bereits 82 deutsche Unternehmen für eine Verwendung der neuen Lebensmittelampel registriert. Das jedenfalls berichtet die Stiftung Kindergesundheit in einer entsprechenden Mitteilung.

"Medizinische Fachgesellschaften, Krankenkassen und Verbraucherverbände in Deutschland fordern seit langem ein leicht verständliches Farbsymbol gut sichtbar auf der Vorderseite der Verpackungen, das den ernährungsphysiologischen Wert eines Lebensmittels leicht verständlich und schnell erkennen lässt", schreibt die Stiftung.

„Der Nutri-Score erweist sich tatsächlich als eine einfache, auf einen Blick verständliche Kennzeichnung. Sie ermöglicht den Verbrauchern unabhängig vom Ernährungswissen eine einfache Orientierung“, so beschreibt Dr. Sarah Wieczorek, Leitung Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation, die Vorteile des Ampelsystems. „Viele Studien zeigen, dass die Auszeichnung von Lebensmitteln mit dem Nutri-Score das Verbraucherverhalten wirksam beeinflusst, die Ernährungsqualität der Einkäufe verbessert und auch Menschen mit hohem Risiko wirksam erreicht“.

Die Farbskala des Ampelsystems von grünem A bis rotem E bewerte nämlich  die Nährstoffzusammensetzung eines Lebensmittels. Für die Berechnung des Nutri-Scores würden günstige Nährstoffe, die man reichlich zu sich nehmen sollte, mit ungünstigen Nährstoffen verrechnet, die nur in geringen Mengen verzehrt werden sollten.

Bei zu viel Zucker schaltet die Ampel auf Rot


Vorteilhaft bewertet würden Ballaststoffe, Eiweiß, Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und ausgewählte Öle (z.B. Oliven-, Walnuss- oder Rapsöl), als nachteilig eine hohe Energiedichte, Zucker, Salz (Natrium) und gesättigte Fettsäuren. Ein Produkt mit dunkelgrünem A gilt innerhalb einer Produktgruppe als ernährungsphysiologisch günstig, eines mit einem roten E als ungünstig.

Auf diese Weise würden verschiedene Lebensmittel der gleichen Produktgruppe miteinander gut vergleichbar: von unterschiedlichen Fertiggerichten aus der Tiefkühltruhe bis hin zu Milchprodukten wie Joghurt oder Fertigmüsli. Ein konkretes Beispiel: Eine Tiefkühlpizza mit dem gelben C präsentiere sich als die ernährungsphysiologisch günstigere Wahl als eine andere Pizza mit einem orangenen D. Die Farben und Buchstaben würden nach vorgegebenen Richtlinien von den Herstellern selbst ermittelt.

"Manche gesunde Zutat bleibt leider unberücksichtigt"


Ein guter Nutri-Score bedeute allerdings nicht, dass das Produkt bei allen Inhaltsstoffen gut abschneidet, betont die Stiftung Kindergesundheit. Außerdem würden bei der Vergabe der Punkte einige Zutaten nicht berücksichtigt: "So fließen einige wertvolle Inhaltsstoffe wie Omega-3-Fettsäuren und Vitamine nicht in die Bewertung ein, ebenso ungünstig bewertete Substanzen wie Geschmacksverstärker".

Besonders irritierende Beispiele liefere die Bewertung von Getränken, berichtet Dr. Sarah Wieczorek: Ein Apfelsaft bekäme zum Beispiel ein gelbes C, weil in ihm vergleichsweise viel Zucker steckt, nämlich durchschnittlich 10 Gramm pro 100 Milliliter. Eine Cola Zero wiederum könnte ein grünes B tragen, weil sie überhaupt keinen Zucker enthält, dafür aber Süßstoff, der jedoch nicht mitbewertet wird. Süßungsmittel würden von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als wenig empfehlenswert eingestuft, weil sie die Süßgewöhnung fördern.

Zum Vergleich: Eine reguläre Cola enthalte ähnlich viel Zucker wie Apfelsaft, aber im Gegensatz dazu gar keine gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffe. Sie würde deshalb mit einem roten „E“ gekennzeichnet werden.
 

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